Bündnis 90/Die Grünen Wölfersheim
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Wahlprogramm 2026

Wofür die Wölfersheimer GRÜNEN zur Wahl stehen

Die Ausgangslage

2021 hatten wir mit 16,4% das beste Ergebnis, das wir in Wölfersheim je hatten. Die wichtigsten Faktoren für dieses Ergebnis: Die damals allgemein günstige Stimmungslage für GRÜNE Politik sowie die klare Ablehnung des geplanten Rewe-Logistikzentrums, die in der Gemeindevertretung nur von uns kam.

Wir wurden zweitstärkste Fraktion mit fünf Sitzen in der Gemeindevertretung und einem Sitz im Gemeindevorstand, den uns die Mehrheits-SPD nicht mehr verwehren konnte. Mit über hundert Anträgen und über dreißig Anfragen in den letzten fünf Jahren haben wir uns kräftig in die Politik der Gemeinde eingemischt. So konnten wir einiges erreichen. Als Beispiele seien das Digitale Museum, die Planung von Neubaugebieten ohne fossile Wärmeenergieversorgung sowie Ansätze einer Jugendbeteiligung genannt. Einen ausführlichen Überblick gibt es auf dieser Webseite.

Natürlich ist Wölfersheim und die Wölfersheimer Politik durch die SPD geprägt. Das ist im Grunde genommen seit 80 Jahren so. Das Rathaus ist in SPD-Hand – mit entsprechendem Einfluss auf die Kommunikation aus dem Rathaus, Wölfersheim-App, VLog, Gemeindespiegel, soziale Medien. Den Oppositionsfraktionen bleibt nur, per Pressemitteilung oder ihren eigenen Kanälen dagegen zu halten. Mit einer Opposition muss auch nicht immer fair umgegangen werden. Die SPD weiß aus jahrzehntelanger Praxis und Erfahrung ziemlich genau, wie Machtausübung und der Umgang mit Herrschaftswissen gehen.

Dennoch können wir feststellen, dass sich das Arbeitsklima in der Gemeindevertretung inzwischen verbessert hat. Das ist auch der Grund dafür, warum Anträge von uns mitunter Erfolg haben. Es bleiben aber auch die großen Differenzen. Wir lehnen das Logistikzentrum nach wie vor ab. Wir wollen den weiter ungehemmten Verbrauch von wertvollem Ackerland eindämmen. Wir wollen grundlegend mehr für die Natur tun – und zwar nicht nur als Pflichtausgleich für irgendeinen Bebauungsplan. Und wir wollen mehr Transparenz, Verbindlichkeit und Fairness für die ehrenamtliche politische Arbeit in der Gemeindevertretung.

So stellen wir uns 2026 wieder zu Wahl. In einer Zeit, wo GRÜNER Politik der Wind ziemlich stark ins Gesicht weht. Wo aber GRÜNE Politik nicht weniger wichtig geworden ist – im Gegenteil, denn die Vernutzung von Natur und Umwelt geht ja hemmungslos weiter.

GRÜNE hatten es in Wölfersheim immer schwer. Wölfersheim ist kein „grünes Pflaster“. Aber wir sind Wölfersheimer GRÜNE. Hier verhaftet und ziemlich bodenständig. Wir mischen uns mit Ideen ein, haken nach und versuchen so zum Besten für Wölfersheim beizutragen. Dass wir eine Partei wie die SPD nicht einfach agieren lassen, versteht sich da fast von selbst. Im Herzen grün machen wir unseren Job in der Gemeindevertretung mit Verstand und Vernunft. Nicht umsonst fallen viele Entscheidungen dort einstimmig.

Die Zeiten sind härter geworden – und die Probleme, mit denen sich die Kommunen herum zu schlagen haben, nicht weniger. Die Bevölkerung wird älter – und weniger. Der Klimawandel schafft neue Herausforderungen. Die Dörfer verändern sich – mehr Leerstände, weniger Geschäfte. Die finanzielle Situation wird angespannter – und doch müssen die täglichen Aufgaben erledigt, Kindergärten, kommunale Infrastruktur betrieben und finanziert werden. Noch ist Wölfersheim ist gut aufgestellt und verfügt über eine ordentliche Rücklage. Aber schon das Jahresergebnis 2024 mit einem Defizit von über 0,5 Mio. € zeigt,  dass die finanziell sorglosen Zeiten an ihr Ende kommen.

Vor diesem Hintergrund beschreiben wir die Dinge, wie wir sie sehen, und wie wir mit ihnen in den kommenden fünf Jahren in der Gemeindevertretung umgehen wollen.

REWE

Der grundlegende Beschluss zum Bau des Rewe-Logistikzentrums wurde Anfang Februar 2017 nach Überrumpelung der Gemeindevertretung ohne die Stimmen der GRÜNEN gefasst. Die Planung ist seit Jahren Gegenstand juristischer Auseinandersetzung. Wir wollen das Verteilzentrum nicht, wir setzen uns dafür ein, dass es nicht kommt. Wir unterstützen die Klage des BUND.

Flächenverbrauch

Siedlungswachstum, Flächenverbrauch, die Vernichtung besten Ackerbodens müssen beschränkt werden. Nach dem Willen der Mehrheit soll inkl. des geplanten Logistikzentrums die bebaute Fläche Wölfersheims in den nächsten zwanzig Jahren um weitere 90 ha wachsen. Und das bei sinkender Einwohnerzahl.

Innenentwicklung und Leerstandsmanagement

Viel nötiger ist es, Orte und Ortskerne zu entwickeln und zu beleben. Aber das ist schwieriger als auf der grünen Wiese zu bauen – es braucht Konzepte zur Revitalisierung des innerörtlichen Leerstands. Das können Modelle sein wie die wegweisende Planung zur Errichtung von 49 Wohnungen auf dem Gelände des ehemaligen Landhandels Völp in Södel durch innovative Architekten und Investoren. Das kann aber auch die Entwicklung leerstehender, ungenutzter Flächen durch die Gemeinde (z.B. in Kooperation mit Dritten) sein. Wir können uns auch gut ein Leerstandsmanagement zusammen mit den Nachbargemeinden vorstellen. Auf jeden Fall sollte Innen- vor Außenentwicklung gehen. Dieses Thema entwickelt sich immer stärker zu einer der wichtigsten Aufgaben gemeindlicher Politik.

Wärmeplanung

Wölfersheim braucht eine kommunale Wärmeplanung. Wir müssen sehen, ob, wie und wo Wärmenetze entstehen können. Mögliche Quellen für Wärmegewinnung wie der Wölfersheimer See sollten untersucht werden.

Umwelt- und Naturschutz

Wir sind GRÜNE. Umwelt und Natur sind uns wichtig. Sie haben einen unverzichtbaren Wert für sich. Wir wollen, dass Natur Raum behält. Unser Einsatz gilt dem Erhalt und einer zeitgemäßen Perspektive für die Streuobstwiesen. Am Wölfersheimer See muss die Balance zwischen Natur und Freizeit gewahrt werden. Naturnahe Gebiete wie der Tiefe Graben in Wölfersheim und der Kuhweg in Wohnbach müssen erhalten werden. Wir treten weiter dafür ein, den Tiefen Graben in Wölfersheim als Geschützten Landschaftsbestandteil nach dem Bundesnaturschutzgesetz ausweisen zu lassen und ihm so einen besonderen Schutz zukommen zu lassen.

Das Handeln der Gemeinde soll dem Umwelt- und Artenschutz dienen. Natur- und Umweltschutz der Gemeinde darf sich nicht auf Ausgleichsmaßnahmen für Baumaßnahmen beschränken, sondern sollte strategisch geplant und über Jahrzehnte umgesetzt werden. Das Gleiche gilt für eine gezielte Begrünung der Ortsteile zur Kühlung im Zuge des Klimaschutzes. Die Aktion „10.000 Bäume für 10.000 WölfersheimerInnen“ klingt  gut. Tatsächlich wurden bislang nur um die 1.000 Bäume neu gesetzt. Wohlklingende PR-Aktionen reichen also nicht.

Wölfersheimer See und Kläranlage

Die Schließung der Wölfersheimer Kläranlage und der Umschluss nach Utphe entwickelt sich zum Langzeitprojekt. So kann der durch Einleitung der zwar geklärten, aber trotzdem nährstoffreichen Abwässer der Kläranlage ökologisch problematische Wölfersheimer See nicht gesunden. Wir wollen mehr Tempo und eine Lösung in den nächsten fünf Jahren.

Wasser für die Gärten

Wir halten auch an der Idee fest, per separater Leitung das Wasser des Röhrbrunnens (Jahresschüttung ca. 10.000 m3) weiter zu den Gärten an der Seestraße bzw. hinter der Bahnstrecke zu leiten. Bis zu den Grasgärten gibt es diese Leitung schon. Der Zugang zu Wasser wertet die Gärten auf und wäre für die „Klimakommune Wölfersheim“ (diesen Titel tragen wir) eine passende Maßnahme angesichts zunehmender Trockenperioden durch die Klimaveränderung.

Die Reaktivierung der Bahn

Die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Hungen kommt. Wahrscheinlich im Dezember 2027. Wir setzen uns für kurze Schrankenschließungszeiten und optimierte verkehrliche Regelungen für alle Verkehrsteilnehmenden rund um den Kreisel am Bahnhof ein. Von großer Bedeutung ist die Errichtung eines modernen Haltepunkts am wichtigen Kreuzungsbahnhof Berstadt-Wohnbach: Guter Busanschluss, gute und sichere Abstellmöglichkeiten für PKW und Räder.

Radverkehr

Wir setzen uns weiterhin für verbesserte Möglichkeiten des Radverkehrs in Wölfersheim – jenseits von Fahrradabstellanlagen – ein. Dazu gehört auch die überfällige Schließung der 200 m Lücke an der Hohen Straße zwischen Melbach und Beienheim, die aktuell noch eine durchgehend sichere Radwegeverbindung nach Friedberg unterbricht.

Lärm

Die Seestraße ist die am stärksten befahrene Straße in der gesamten Gemeinde. Auch wenn das angesichts der aktuellen Gesetzeslage schwierig ist, wollen wir eine Idee des ehemaligen Bürgermeisters Rouven Kötter zur Lärmreduzierung weiter verfolgen: Tempolimit in der Nacht und – ebenfalls in der Nacht – Durchfahrverbot für LKWs.

Treffpunkte schaffen

Menschen wollen und sollen sich begegnen können. Es braucht geeignete Treffpunkte für Gemeinschaft, gegen Einsamkeit. Unsere Idee heißt „Begegnungsstätten für Jung und Alt in jedem Ortsteil“. Wir sehen das als neue gemeindliche Aufgabe.

Kinderbetreuung

Der größte Zuschussposten der Gemeinde ist der Betrieb der Kindertagesstätten. Mit dem Wissen um moderne Familienverhältnisse und die Bedeutung frühkindlicher Bildung für die Gesellschaft schätzen wir die Arbeit dort sehr hoch ein. Unser Interesse gilt daher gut ausgestatteten Kitas mit motiviertem Personal und guten pädagogischen Konzepten. Die in Wölfersheim und den Nachbargemeinden etablierte Jugendpflege 4.0 können wir uns als Träger einer verlässlichen Ferienbetreuung für Schulkinder vorstellen, soweit zum bestehenden Angebot (Jim-Knopf-Schule z.B.) noch Lücken bestehen.

Jugendbeteiligung

Mit dem Wahlpflichtunterricht, der sich auch mit kommunaler Politik beschäftigt, wurde an der Singbergschule ein erster Ansatz von Jugendbeteiligung etabliert. Über diesen Anfang hinaus können wir uns gut vorstellen, Kinder und Jugendliche noch weiter zu beteiligen. Nicht nur an den kommunalen Entscheidungen, die sie betreffen, sondern, indem die Wölfersheimer Politik Offenheit für ihre Ideen zeigt und sie fördert.

Gemeindepflege

Die inzwischen bekannte und dringend notwendige Gemeindepflege wollen wir über das Auslaufen der Landesförderung hinaus fest im gemeindlichen Stellenplan verankern.

Gemeinde und Schule

Wir stehen zu den Wölfersheimer Schulen. Auch wenn die Gemeinde nicht Schulträger ist, trägt sie dennoch mit Verantwortung für die Rahmenbedingungen. Zu denen gehört derzeit die Suche nach Möglichkeiten für den Bau neuer Schulräume. Das jetzt für die Oberstufe genutzte Gebäude in der Wingertstraße muss abgerissen werden. Wir unterstützen die aktive Rolle, die die Gemeinde hier einnimmt.

Geflüchtete

Die Unterbringung Geflüchteter ist in Wölfersheim gut gelungen. Pragmatisch und mit Unterstützung aller Parteien wurden Häuser gekauft und hergerichtet. Sie können und sollen später unter veränderten Rahmenbedingungen als normale Wohnungen vermietet werden. Wir tragen diesen vorausschauenden Kurs, der auch die Einbindung Ehrenamtlicher umfasst, mit.

Finanzen      

Wir stehen zur traditionell vorsichtigen Wölfersheimer Haushaltspolitik. Aber die Krise der kommunalen Finanzen trifft auch uns. Einnahmepotenziale sehen wir in der Beteiligung an Solarflächen und Windrädern. Über die seit fünf Jahren ausgesetzte Straßenbeitragssatzung muss entschieden werden. Wir möchten sie abschaffen und durch ein solidarisches Modell ersetzen. Künftige Straßensanierungen sollen über die von allen zu zahlende Grundsteuer finanziert werden. Sie wäre dafür etwas anzuheben. Der Grundsteuersatz in Wölfersheim ist ohnehin der niedrigste im Kreis.

Beteiligung an geplanten Windrädern

In Melbach sollen fünf Windräder entstehen. Grundlage ist eine überörtliche, hessenweite Planung. Profitieren werden nach aktuellem Stand vor allem private Verpächter und der Betreiber. Wir wollen, dass auch die Allgemeinheit einen deutlichen finanziellen Nutzen davon hat.

Bezahlbarer Wohnraum

Die Gemeinde besitzt etliche Immobilien – auch Wohnimmobilien. Sie sollen, Zug um Zug, klimagerecht modernisiert werden. Es soll auch weiter bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Darauf soll die Gemeinde, zusammen mit der Wetterauer Wohnungsbaugesellschaft, anderen Akteuren und Investoren, bevorzugt auf innerörtlichen Flächen hinwirken.

Vereine und Ehrenamt

Der gemeindliche Zusammenhalt lebt von Vereinen und ehrenamtlichem Engagement. Entsprechend müssen sie von Seiten der Gemeinde unterstützt werden. Wir wollen eine gut ausgestattete und einsatzstarke Feuerwehr angesichts sich wandelnder und neuer Herausforderungen, Stichwort: Katastrophenschutzvorsorge.

Kulturangebot

In den letzten Jahren hat sich die Gemeinde mit einem speziellen Kulturangebot profiliert. Das erkennen wir an. Allerdings sind wir nicht sicher, inwieweit die von uns geforderte Transparenz der Kosten tatsächlich alle Erträge und Aufwendungen, zumal die indirekten, umfasst. So bleibt die Forderung nach Aufstellung aller Kosten, die es erlaubt, den Gesamtaufwand der Gemeinde vollständig einzuschätzen.

Wölfersheim live Revival

In diesem Zusammenhang wünschen wir uns auch, dass „Wölfersheim live“ wieder Teil des gemeindlichen Kulturprogramms wird. Schließlich machen hier junge und alte Wölfersheimerinnen und Wölfersheimer als Bühnenstars für einen Abend eine Show für den Rest der Gemeinde – und darüber hinaus. Wir setzen uns dafür ein, dass die bestehenden Differenzen beigelegt werden und dieses ureigene  Wölfersheimer Kulturformat wieder auferstehen kann.

  • Wahlprogramm 2026

Presse

  • Einem guten Beispiel das nächste folgen lassen
  • Mit Ideen mitmischen
  • Ungehemmter Flächenverbrauch beabsichtigt
  • Sechs Windräder, sechs Standorte – und wir wissen offiziell nichts
  • Chance verpasst – Gemeinsame Pressemitteilung der Fraktionen von GRÜNEN, CDU und FWG

Initiativen

  • Bilanz der GRÜNEN-Anträge zwischen 2021 und 2026
  • Verwendung der ersten Tranche des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität
  • Verbesserung der Radwegeverbindung zwischen Melbach und Wisselsheim
  • Statusbericht zu den Kindertagesstätten der Gemeinde
  • Teilräumliches Wasserkonzept, lokales Wasserkonzept
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